Eltern berichten

Olivers Start ins Arbeitsleben - Erfahrungsbericht einer Mutter

Mein Sohn Oliver ist jetzt 18 Jahre alt, und im letzten Jahr hat sich unser gesamtes Leben verändert. Oliver ist erwachsen geworden.

Oliver besuchte seit 1999 die Albschule, ab September 2002 die Außenklasse in Grötzingen. Nach neun Schuljahren wechselte er im September 2008 in die BvE. In den zwei Jahren in der BvE hat sich Oliver sehr zu seinem Vorteil verändert. Der Schwerpunkt waren jetzt die Praktika und die lebenspraktischen Dinge. Nach einem Jahr in der BvE war sich Oliver sicher, dass er im Bereich Gartenbau, möglichst Landschafts-Gartenbau, arbeiten möchte.

In einer Zukunfts-Konferenz im Herbst 2009 definierten wir Olivers große Ziele für die nächsten circa fünf Jahre:

  • Oliver möchte im Landschaftsgartenbau arbeiten und weitere Praktika machen.
  • Oliver möchte in einer ambulant betreuten WG leben.
  • Nach zwei Jahren in der BvE möchte Oliver ins KoBV wechseln.

Im Januar 2010 hatte Oliver die Möglichkeit zum Probewohnen in einer WG, die vom Martinshaus/ Berghausen betreut wird. Es war bald klar, dass es Olivers Wunsch ist, dauerhaft dort zu wohnen.
Mir fiel die Entscheidung damals unheimlich schwer, aber jetzt bin ich froh, dass wir Oliver diesen Schritt in die Selbstständigkeit haben gehen lassen.

Oliver wohnt jetzt seit Juli 2010 zusammen mit zwei anderen geistigbehinderten Männern in dieser WG und fühlt sich dort sehr wohl. Seit Mai 2010 stand endgültig fest, dass Oliver zum Schuljahr 2010 /2011 ins KoBV wechseln wird.

Es kam dann eine ziemlich aufregende Zeit für uns, denn zunächst stand kein Praktikumsplatz für Oliver zur Verfügung. Der Integrationsfachdienst (IFD) versicherte uns zwar immer wieder, sie würden in aller Regel entsprechende Arbeitsplätze finden, aber die Zeit wurde sehr knapp, und es gab kein Zurück mehr. Erst Ende Juli hat sich die BZKA (Beschäftigungszentrum Karlsruhe) bereit erklärt, Oliver probeweise zu beschäftigen. Die BZKA ist eine Beschäftigungsgesellschaft, die Arbeit für psychisch Kranke und geistig behinderte Personen vermittelt, die keine so enge Betreuung wie in der HWK benötigen. Oliver arbeitet jetzt hauptsächlich bei einer Gruppe, die ganz unterschiedliche  „Baustellen“ hat. Seine Hauptarbeiten sind Blätterkehren, Rasenmähen, Heckenschneiden (muss er noch lernen), helfen beim Bäume fällen… .
Im Winter, wenn Schnee liegt, hat Oliver Winterdienst, d.h. es entscheidet sich oft erst morgens, wann er wohin kommen soll. Das fällt Oliver zwar sehr schwer, denn er braucht eigentlich klare Strukturen und Abläufe. Er fühlt sich aber sehr wohl bei der BZKA und ist deshalb auch bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Eine große Umstellung ist auch, dass Oliver jetzt 28 Urlaubstage hat, ansonsten aber in den Ferien jeden Tag im Betrieb arbeitet. In den Weihnachtsferien konnte er wegen der unsicheren Wetterlage nur einzelne Tage frei bekommen.
Oliver fühlt sich sehr wohl in seiner Gruppe bei der BZKA und kommt auch gut zurecht, wenn er manchmal zu einer anderen Gruppe wechseln muss.
Die wenigen Rückmeldungen, die wir haben, sind sehr positiv, so dass wir hoffen, dass Oliver vielleicht dort dauerhaft bleiben kann. Das ist jetzt sein großes Ziel.
Außerdem strebt er an, einen Kurs bei der Stadt Karlsruhe zu machen, um zu lernen, Hecken zu schneiden.

Ich bin sehr glücklich, dass wir es in weniger als zwei Jahren geschafft haben, die Ziele der Zukunftskonferenz umzusetzen. Das war nur möglich, weil uns so viele Leute unterstützt haben. Ich bin mir heute ganz sicher: Der Weg, den Oliver bisher gegangen ist, ist der richtige für ihn!
Natürlich braucht er weiterhin unsere Unterstützung und Beratung, aber er ist doch sehr selbstständig geworden. Mein Bruder und ich sind, seit er 18 Jahre alt ist, seine Betreuer und versuchen, ihm so viel Freiheit wie möglich zu lassen, ihm aber trotzdem das Gefühl zu geben, immer für ihn da zu sein.

Monika Schadt, 2010